La Dolce Vita – Pfadfinder unterwegs in Italien!

Überall Brombeeren!Endlich wieder Großfahrt! Gefühlt ist schon wieder zu lange her, dass die Sippe Wilder Wanderfalke das letzte Mal auf Großfahrt war. Schließlich ist jede Großfahrt ein unvergessliches Erlebnis, deren Erinnerungen man immer mit sich nimmt und weit in den Alltag mit hineinträgt. Das letzte Mal waren es die Pyrenäen in Spanien, diesmal sollte es wieder in den sonnigen Süden nach Italien gehen. Zu den vier wilden Wanderfalken (Kristian, Laura, Lukas und Konstantin) gesellten sich vier Altpfadfinder aus dem Stamm, der Region Kurhessen und dem Land Hessen dazu (Anke, Sophie, Michael und Lars).

Wo ist nochmal La Sega?Gut, dass eine Großfahrt nicht viel Vorbereitung braucht, denn die Kohte und die Hordentöpfe liegen sowieso im Materialraum des Stammes und die Grundausrüstung wie Rucksack, Isomatte und Schlafsack haben alle bereits seit Jahren und auf vielen Lagern und Fahrten erprobt. Also muss nur entschieden werden wohin es gehen soll, dann wie man möglichst günstig hinkommt und in der Zeit vor der Fahrt kann man sich mit Wanderkarten, einem Fahrtenkauderwelsch und Reiseführern auf das Land und die Leute einstimmen.

 

Weit und breit...Eine Zugfahrt die ist lustig

Wie immer ist die Anreise eine ganz besondere Phase einer Großfahrt: Eine Mischung aus Vorfreude und Neugier, aber auch Unsicherheit und Zweifel. Was wird uns erwarten? Wird das Wetter gut? Wo werden wir schlafen? Werden wir aufgeschlossene und nette Einheimische treffen? Wie ist das Essen? Wie kommen wir von der Stadt aus raus in die Natur? Auf der Fahrt ist dann aber zum Glück jede Menge Zeit alle Bedenken zu zerstreuen, Karten zu wälzen, die ersten italienischen Sprachebrocken an ahnungslosen Schaffnern auszuprobieren, Gitarre zu spielen und zu singen, einfach Spaß zu haben und in die richtige Großfahrtenstimmung zu kommen…

 

Bologna – genannt „Die Fette“

Wärme in der KälteAm 20.08. in Kassel losgefahren, kommen wir nach 14 Stunden etwas geschlaucht in Bologna an. Italien begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein und einer pittoresken Stadt voller Arkaden und Säulengänge. Und natürlich mit unglaublich cremigem und schokoladigem Eis! Der unruhige Schlaf im Nachtzug war schlagartig vergessen. Für unsere erste Etappe unserer Wanderungen im Toskanisch-Emilianischen Apennin müssen wir noch die Essensplanung machen, einkaufen und herausfinden wie wir von Bologna aus in das Gebirge kommen. Mit unserer Ankunftszeit um 14 Uhr war das für den Tag alles ein bisschen viel, so dass wir beschlossen eine Nacht in Bologna zu verbringen und den Beginn der Großfahrt mit einem ausgiebigem Abendessen der lokalen Spezialität Tagiatelle al Ragu (bei uns bekannt als Spaghetti Bolognese) zu feiern. Das Essen war vorzüglich! Danach muss aus Mangel an nahegelegenen Campingplätzen und Budget für ein Hostel für die erste Nacht der Park im Südosten der Stadt herhalten. Der Park ist sehr gepflegt und Dank der Platzwahl durch Kristian und Lukas liegen wir Nachts trocken, außerhalb der Reichweite der Sprinkleranlagen. Auch der Supermarkteinkauf am nächsten Tag verspricht gutes Essen für die erste Woche, aber auch schwere Rucksäcke. So ist das nun mal, wenn man völlig autark unterwegs ist: Alles muss mit! Das Haus (die Kohte), inklusive Küche (Hordentöpfe, Essgeschirr, Essen), Schlafzimmer (Isomatte, Schlafsack, Wechselklamotten) und Badezimmer (Bioseife, ein winzig kleines Handtuch, Zahnbürste, Zahncreme, Kamm).

AbendrotUnd dann ist es soweit. Mit dem Rucksack auf dem Rücken steigen wir in einer kleinen Stadt Namens Porretta am Fuße des Appennin aus dem Zug und laufen mit der Wanderkarte bewaffnet in das Gebirge. Schon nach kurzem Anstieg werden wir auf unserem Weg die Berge hinauf regelmäßig mit schönen Ausblicken belohnt. Gegen Abend finden wir an einem Bach, der mit seinem Wasser spektakuläre Felsstufen in das Gestein gewaschen hat, unseren ersten Lagerplatz. Noch etwas unkoordiniert bauen wir in Ruhe unsere Wanderkohte auf. Riesig sieht die Kohte von innen aus, aber erst mal mit acht Isomatten, Rucksäcken und Pfadfindern bestückt wird es auf dem nicht ganz ebenen Boden doch etwas kuschelig. Schnell ist ein Feuer entfacht und der gemütlich Teil des Abends beginnt. Wir probieren uns daran das Gericht Tagliatelle al Ragu nachzukochen und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Gut gesättigt wird noch gesungen und als alle schon in den Schlafsäcken liegen etwas vorgelesen.

GitarrenpauseDie nächsten Tage wiederholt sich dieser Tagablauf auf immer andere Weise: nach dem Müslifrühstück mit einer Kanne schwarzen Tee und dem Abbau laufen wir los, auf immer wieder neuen, meist schmalen und felsigen Wegen wandern wir immer weiter in Richtung des Kamms. Mal machen wir hier Halt, mal dort. Mal bekommen wir unser Wasser in einer kleinen Berghütte, in der keiner Englisch spricht, mal schöpfen wir es aus einem der zahlreichen Bergbäche. Wir pflücken Blaubeeren am Wegesrand, von denen es hier Unmengen gibt, machen Pause wenn wir Hunger haben oder die schöne Aussicht über die umliegende Landschaft es verlangt. Gönnen uns bei schlechtem Wetter oder an einem sehr anstrengenden Tag auch mal eine Tasse heiße Schokolade in einer Berghütte, stellen unsere Kohte am Abend auf wo es uns gefällt und schlagen uns Abends die Bäuche voll. Die Fahrtengruppe wächst immer mehr zusammen. Alle entscheiden mit wo es langgehen soll und auch die Abläufe beim Auf- und Abbau der Kohte werden immer routinierter. Tagsüber quatschen wir auf leichten Strecken über „Gott und die Welt“, bei schwereren Strecken bleibt man für sich und arbeitet sich in seinem Tempo die Steigungen hinauf. Abends und auch in Pausen holen wir die Gitarren raus und singen. Ab in die Toscana!Alte Lieder, aber auch das ein oder andere neuere „Pfadfinderlied“ ist dabei. Beim Wandern summt jeder die Melodien, die ihm besonders gefallen haben. Besonders das Lied „Wilde Reiter“ hat es der Fahrtengruppe schwer angetan: Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht einmal gesungen und dutzende Male vorsichhingesummt wird. Natürlich ist so eine Großfahrt kein „All inclusive“ Urlaub in der Südsee, und so sind neben den Anstrengungen des Wanderns auch die ein oder anderen Situationen dabei, die uns alle sehr fordern: in einer Nacht kurz unterhalb des Kammes des Appennin knickt uns bei einem heftigen Sturm die Kohtenstange ein und leicht schlaftrunken müssen wir auf den vier Kohtenbahnen Kröten aufbauen, um die Nacht heil und trocken zu überstehen. Auch gruppendynamisch gibt es Situationen, die uns alle an unsere Grenzen bringen: ein Ameisenhügel, ein kleiner Skorpion oder eine Schlange in der Kohte sind typische Momente, in denen man gerne wieder zu Hause in seinem Bett liegen würde, anstatt auf dem Kräuch- und Fleuchwaldundwiesenboden. Aber das gehört dazu, das ist es, was das Abendteuer einer Großfahrt, ausmacht und uns als Gruppe zusammenschweißt.

Das Zelt steht fast...Nach sechs Tagen im Gebirge steigen wir wieder ab und laufen in die Stadt Fanano (die Blaubeerstadt Italiens). Hier schlagen wir ausnahmsweise unsere Kohte auf einem Campingplatz auf, um uns alle mal wieder richtig zu waschen und auch unseren Klamotten eine Runde in der Waschmaschine zu gönnen. Schließlich wollen wir von hier aus nach einer kleinen Ruhepause in das 60km entfernte Castello Nuovo di Gaffagnia trampen und gut geduscht wird man einfach besser mitgenommen. Für den Tramptag teilen wir uns in vier Gruppen auf mit jeweils einem der jüngeren und einem der Älteren. Einige Gruppen liefern sich quasi Kopf-an-Kopf-Rennen und überholen sich mit ihren Lifts alle paar Orte immer mal wieder. Andere kommen so gut durch, dass sie die anderen erst am Abend am ausgemachten Treffpunkt in Castell Nuovo wiedersehen. Hier wiederfährt uns wieder eine dieser Fahrtenkuriositäten, denn ein kleiner Plausch mit einer Pilgergruppe führt dazu, dass wir bei der Kirche im Gemeindehaus schlafen dürfen. Es ist zwar nur ein kleiner Flur und mich acht Leuten etwas eng, aber immerhin ein Dach über dem Kopf. Von Castell Nuovo geht aus starten wir zu unserer zweiten Etappe in die apuanischen Alpen, die nunmehr das einzige sind, was uns noch von einem erfrischenden Bad im Mittelmeer trennt. Das sollte doch zu schaffen sein! Die apuanischen Alpen sind zwar insgesamt etwas niedriger als der Appennin, wirken aber durch die sehr schroffen und steilen Felswände und Täler deutlich alpiner. Dadurch ist es mit Kohtenplätzen schwieriger, aber nicht unmöglich. Noch ein Gruppenfoto!Schwerwiegender ist aber, dass es sich bei den Apuanischen Alpen um ein Karstgebirge handelt, in dem es daher schwer ist oberhalb der Talsohlen Bäche und damit Trinkwasser zu finden. Eine Teil der Gruppe musste daher an einem Abend bis in das 200m tiefer liegende Dorf absteigen, um die Gruppe mit genügend Wasser für das Abendessen und die erste Hälfte des folgenden Tages zu versorgen. Auch in den Apuanischen Alpen muss sich natürlich jede schöne Aussicht hart erarbeitet werden, aber es lohnt sich. Auf einem schmalen Bergpfad, der uns über einen Pass auf die andere Seite des Gebirges führt haben wir nach zwei Tagen schließlich eine atemberaubende Aussicht und können von Weitem das Mittelmeer schimmern sehen. Nun hält uns nichts mehr, es geht abwärts Richtung „Strand“, wo wir am kommenden Tag vier Stunden die warmen Wellen des Mittelmeer genießen. Eine Belohnung, die wir uns mit dem Schweiß und den Anstrengungen der letzten Tage verdient hatten. Zufrieden und erschöpft nehmen wir nach dem Wellenbad noch am gleichen Abend den Zug Richtung Florenz, um vor unserer Heimreise zwei Tage später noch einmal tief die Kultur des Landes einzuatmen. Gruppenfoto!Hier gönnen wir uns sogar für eine Nacht ein Hostel, damit wir am folgenden Tag ausgeruht die Stadt anschauen können. Tagsüber bleibt unser Gepäck im Hostel und wir sehen uns in Kleingruppen die großen Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Am Nachmittag wollen wir für unseren letzten Abend in Bologna nochmal richtig leckere Zutaten für ein angemessenes Abschlussessen einkaufen. Glücklicher Weise lernen wir kurz zuvor in einem sehr guten Pannini-Laden einen italienischen Pfadfinder kennen, der uns einen Supermarkt direkt um die Ecke empfiehlt. Im Laden planen wir unser eigenes kleines Fünfgängemenü: erst etwas Antipasti, dann ein frischer Salat, als Hauptgang mit Ricotta und Spinat gefüllte Ravioli mit Kräuter-Sahne-Soße und Kirschtomaten und zum Nachtisch ein selbstgemachtes Tiramisu. Am Abend wieder in Bologna gehen wir wieder in den Park und bereiten dort unter Zuhilfenahme des Benzinkochers unser Schlemmermenü zu und genießen die letzten Stunden in Italien, bevor es am nächsten Morgen mit dem Zug wieder zurück nach Hause geht. Es war eine großartige Fahrt, bei denen alle viel gelernt haben und die Fahrtengruppe gemeinsam so viel erlebt hat, dass jeder von den Erinnerungen lange Zeit zehren kann, bei denen in uns immer die Sehnsucht nach der nächsten Großfahrt mitschwingt.

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